Leitende Musiktheaterpädagogin Anne-Kathrin Ostrop bei »Abenteuer Oper« in der Askanier Grundschule ... Im Hintergrund: Clemens, der Autor des Textes. FOTO: Aurelio Schrey

Die leitende Musiktheaterpädagogin Anne-Kathrin Ostrop bei »Abenteuer Oper« in der Askanier Grundschule … Im Hintergrund: Clemens, der Autor des Textes. FOTO: Aurelio Schrey

Clemens, 18, macht ein Praktikum in der Musiktheaterpädagogik der Komischen Oper Berlin. Bei »Abenteuer Oper« erlebte er die Arbeit mit den Jüngsten unter den Opernbesuchern erstmals hautnah.

Das Vorhaben, mit einer vierten Klasse innerhalb einer Woche eine Miniaturoper einzustudieren, schien mir anfangs unmöglich. Ich musste mich dann im Rahmen des Projekts »Abenteuer Oper« eines Besseren belehren lassen.

Ich hatte erwartet, umringt von tobenden Kindern, eine sehr improvisierte Aufführung auf die Beine zu stellen. Zu meiner Überraschung schauten uns am Montag in der Spandauer Askanier-Grundschule viele große Augen an, die stumm darauf warteten mit den Proben zu beginnen.

Am ersten Tag starteten wir mit einem Workshop, um den Kindern die Geschichte von Peter Pan, der Hauptfigur unseres Stückes, näherzubringen. Nach einem kurzen Warm-Up gingen wir in verschiedene kleine Übungen.

Tag Nummer zwei. Nun sollte es richtig losgehen. Wir teilten die Klasse in zwei Gruppen. Die eine Hälfte arbeitete szenisch, die andere musikalisch. Wir begannen damit, die Rollen einzuteilen. Ein heikler Moment, da nicht jeder das bekommen würde, was er sich gewünscht hatte. Doch die Kinder nahmen ihre Rollen ohne Protest an. Schön! So konnten wir gleich mit den Proben anfangen. Es gab keinen vorgeschriebenen Text, jedes Kind sollte sich selbst überlegen, was sein Charakter sagen sollte. Die improvisierten Dialoge führten zu vielen lustigen Momenten.

Als wir an eine Stelle kamen, in der die Kinder gelangweilt dreinschauen sollten, bekam ich einen kurzen Schreck. Ein Mädchen machte einen Gesichtsausdruck, als würde sie gleich alles hinschmeißen. Doch eine Sekunde später stand sie wieder strahlend auf der Bühne. Ich musste schmunzeln, ich war auf eine hervorragende Schauspielleistung hereingefallen. Tag zwei war vorbei und wir waren bereits mit der ersten Hälfte so gut wie fertig. Es ging also doch!

Der dritte Tag, Mittwoch, war der Tag, an dem die Senior*innen zu Besuch kamen. Um 10 Uhr saßen sich dann 26 Viertklässler und 5 Rentner gegenüber. Die Klasse war zuerst schüchtern, doch tauten die Youngsters schnell auf.

Mitten in Action: Schüler*innen bei »Abenteuer Oper« ... FOTO:Aurelio Schrey

Mitten in Action: Schüler*innen bei »Abenteuer Oper«. FOTO: Aurelio Schrey

Da das Thema »Älter werden« in Peter Pan sehr präsent ist, sprachen wir mit beiden Seiten über die Vorzüge vom Kind- und Erwachsensein. Es war spannend, zu beobachten, wie zwei so unterschiedliche Generationen über eine Oper miteinander ins Gespräch kamen. Die Kinder waren zuerst skeptisch, ließen sich dann aber doch begeistern von der Vorstellung, die Kindheit hinter sich zu lassen und erwachsen zu werden Danach ging es weiter: proben, proben, proben. Die erste Szene stand. Gruppentausch. Nun ging es an die zweite und letzte Szene. Auch in dieser Gruppe waren die Kinder außerordentlich motiviert. Wir schafften sogar, den zweiten Teil mehrere Male durchzuproben. Unglaublich.

Und da war es schon Donnerstag – nur noch ein Tag bis zur Aufführung! Musik und Schauspiel wurden das erste Mal zusammengeführt. Alle Kinder bekamen ihre Kostüme und probten fleißig. Letztlich lief alles wie am Schnürchen. In einigen Szenen wurde noch der letzte Feinschliff vorgenommen, doch alles in allem stand das Stück.

Freitag, große Aufregung! In 10 Minuten sollte es losgehen. Nachdem alle Kinder zuerst aufgeregt waren und um einen herum sprangen, kehrte plötzlich Ruhe ein. Die Zuschauer*innen – darunter auch die Senior*innen von Mittwoch – waren bereits alle da und warteten darauf, dass es losging.

Und es ging los. Die Szenen liefen reibungslos. Selbst die Kinder flüsterten sich in ihren Pausen hinter der Bühne kurz zu: »So gut hat das noch nie geklappt!«

Applaus, Applaus! Die Eltern waren begeistert, die Kinder stolz auf sich selbst. Ich war mit dem Ergebnis über alle Maßen zufrieden. Meine ursprüngliche Erwartung war weit übertroffen worden. Es war eine sehr schöne Erfahrung und eine lehrreiche Woche, nicht nur für die Kinder, sondern auch für mich.

 

Geschrieben von Komische Oper

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