Opernrausch: Ein Feldforschungstagebuch zum Festival der Komischen Oper Berlin 2017  

Eintrag vom 05. 07. 2017

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Hallo,

ich bin Nora. Ich mag Gin mit Tonic, Pommes ohne Schranke, Joggen und Bloggen. Oder vielleicht auch nur die Vorstellung zu joggen, in neon-gelben High-Tech-Turnschuhen, »Racer«, die jeden Schritt zum Sprung machen … Ich lebe in Kreuzberg. Am äußersten Ende, nur einen betrunkenen Touristen-Torkler von der Oberbaumbrücke entfernt, da, wo sich Clubber und Punks »Good Night« wünschen, da, wo Taxen Typen ausspucken, die mit Scanner-Blick unsere bröckelnden Häuserfassaden abfahren, wo es brodelt und britzelt, international, und manchmal sogar berlinert.

Zwischen meiner Wohnung und der Komischen Oper Berlin liegen 4,9 Kilometer, sagt Google-Maps. Von Tür zu Tür brauche ich mit dem Fahrrad ungefähr zwanzig Minuten, in der Großstadt gilt das als nah. Trotzdem ist unser Verhältnis bislang ein distanziertes gewesen. Aber warum? Warum mache ich mich so selten auf den Weg in die Behrenstraße, obwohl sogar ein Freund von mir, Christian, als Social-Media-Redakteur dort arbeitet? Zu »Die Perlen der Cleopatra« hat er mich im letzten Dezember eingeladen, zusammen mit ein paar Freund*innen, es war grell, großartig gespielt, genau mein Humor. Wiedergekommen bin ich nicht. »Ich habe ja Lust, aber es ergibt sich einfach nie«, verteidige ich mich lahm vor mir selbst. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto neugieriger werde ich: Was ist schon da zwischen mir und der Oper, was kann noch entstehen? »Mit den Ausreden ist es jetzt vorbei«, sagt Christian, als wir mal wieder bei Gin & Tonic zusammensitzen, »du brauchst einfach mal Oper satt!« »Deal!«, rufe ich.

Tricks & Tools

Tricks & Tools

Zusammen mit der Online-Redaktion der Komischen Oper Berlin wage ich ein Experiment. Nächste Woche beginnt das Festival, alle Premieren der Spielzeit werden noch einmal gezeigt. Ich gehe hin. Am Dienstag. Und am Mittwoch. Und auch am Donnerstag. Und Freitag, Samstag, Sonntag, in sechs verschiedene Vorstellungen an sechs aufeinanderfolgenden Tagen, ich werde mich voll und ganz dem »Opernrausch« aussetzen, Feldforschung betreiben, versuchen, die Oper mit allen Sinnen zu erfassen, ihre Regeln, ihre Akteure zu verstehen und vor allem beobachten, was die Inszenierungen – inklusive Einführungsveranstaltungen davor und Foyer-Gesprächen danach – mit mir selbst machen. Bis es entweder heißt: In die Oper Runner’s High oder Oh-Oh-Oh-Opern Overkill!

Über meine Erlebnisse der Nacht werde ich schreiben, jeweils am nächsten Tag, hier auf dem Blog. Ich werde posten, twittern, Fotos auf Instagram stellen. Drei Fragen werden mich im Vorfeld jeder Vorstellung beschäftigen:

Wie bereite ich mich vor?

Was ziehe ich an?

Wen nehme ich mit?

Ich weiß, Sie werden auch da sein. Wenn Sie Lust haben, dann sprechen Sie mich in der Pause oder nach der Vorstellung doch gerne an. Ich bin die Frau mit dem Stift in der Hand, Sturmfrisur, Brille, neugieriger Blick … Vielleicht trinken wir ein Glas Sekt zusammen, rauchen eine Kaugummi-Zigarette und sprechen über die Oper, Ihre liebste Inszenierung der Saison oder einfach über diesen Sommerabend. Das wird fantastisch.

Bis bald,

Nora

Geschrieben von Komische Oper

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