25 Jahre Mauerfall – die letzten gefälschten Wahlen in der DDR

Am 7. Mai 1989 waren die Bürgerinnen und Bürger der DDR aufgerufen, anlässlich der Kommunalwahlen den Kandidaten der Nationalen Front in einer Scheinwahl ihre Stimme zu geben. Wie immer stand nur diese eine Liste zur Auswahl. Die Propagandamaschine lief auf vollen Touren. Glückliche Bürger lächelten von Plakaten, auf denen zu lesen war: »DDR – mein Vaterland«, oder »Den Kandidaten der Nationalen Front Verantwortung und Vertrauen«, oder auch der Klassiker »Arbeite mit, plane mit, regiere mit«. Doch selbst der Führungsebene der SED dämmerte langsam, dass dies keine der üblichen Wahlen werden würde. Unabhängige Bürgergruppen, die die Stimmenauszählung in den Wahllokalen überwachen, überführen die SED der Fälschung der Kommunalwahl-Ergebnisse: Sie können nachweisen, dass zwischen den von ihnen in den Wahllokalen mitgezählten und den später bekannt gegebenen Ergebnissen Differenzen bestehen.

Stimmzettel Kommunalwahl 1989 (Bundesarchiv)

Stimmzettel Kommunalwahl 1989 (Bundesarchiv)

Am Abend des 7. Mai verkündete der Wahlleiter Egon Krenz ein Ergebnis: 98,77 Prozent der mehr als zwölf Millionen Wahlberechtigten hatten angeblich für die Kandidaten der Nationalen Front gestimmt, 98,85 Prozent der DDR-Bürger waren demnach zur Wahl gegangen. Der von Bürgerrechtlern öffentlich erhobene Vorwurf, die Wahl sei manipuliert worden, ließ sich fortan nicht mehr aus der Welt schaffen.

Nach der als »Zettel falten« verspotteten Abstimmung beschleunigte sich eine Dynamik, mit der wohl niemand in der DDR-Führung gerechnet hatte. Der Widerstand wuchs, die Opposition formierte sich. Die gefälschten Kommunalwahlen vom 7. Mai 1989 gelten bis heute als wichtige Wegmarke für den Umsturz in der DDR. Sechs Monate später fiel die Mauer …

Geschrieben von Komische Oper

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