Verortet im zeitlosen »gestern, heute und morgen« erzählt der visionäre Tonkünstler Bernd Alois Zimmermann in seinem Opus magnum, Die Soldaten, die Geschichte von Marie – einer jungen Frau, die zum Spielball ihrer chauvinistischen Umgebung wird und als gebrochene Frau am Abgrund endet. Ein apokalyptisches Trauerspiel – und ein eindrücklicher pazifistischer Appell!

Liiert ist Marie mit dem Tuchhändler Stolzius, doch als der wohlhabende Offizier Baron Desportes um sie buhlt, erhört sie dessen Werben in der Hoffnung auf sozialen Aufstieg. Desportes lässt Marie schließlich fallen und gibt sie damit zum Abschuss frei: Als »Hure« wird sie von Soldaten vergewaltigt und endet als gebrochene Frau am Abgrund. Ihr Fall kulminiert in Schreckensvisionen einer Jahrhunderte überspannenden Verrohung des Menschen, in das apokalyptische Bild einer endlosen Spirale sich wiederholender Zwänge und der Gewalttätigkeit des Menschen.

Wenn Regisseur Calixto Bieito von Bernd Alois Zimmermanns epochaler Lenz-Oper Die Soldaten erzählt, dann spricht er vom Mitleid, das er empfindet gegenüber den Personen. Gegenüber Marie, die vom Vater, den Soldaten und der Gesellschaft auf die schiefe Bahn getrieben wird; und gegenüber Stolzius, der seine Liebe und sein Leben verliert.

Aber reizen ihn nicht auch die Grausamkeiten in dieser Geschichte? Verrat, Vergewaltigung, Mord … »Die Musik ist viel brutaler als meine Inszenierung«, sagt Bieito. »Vielleicht werden die Leute, die ein Gemetzel erwarten, ein bisschen enttäuscht sein.«

Mit dem Stoff hatte er sich schon lange befasst, »mit 15, 16 Jahren habe ich alles von Lenz gelesen, in französischer Übersetzung«. Jetzt also – zum ersten Mal – das ergreifende Zeitdokument der Nachkriegsjahre, das nichts von seiner Dringlichkeit eingebüßt hat, an der Komischen Oper Berlin.

Susanne Kübler/Pavel B. Jiracek

Geschrieben von Komische Oper

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