Der russisch-sowjetische Komponist Dmitri D. Schostakowitsch war nicht nur ein produktiver Komponist, sondern auch ein fanatischer Fan seines Heimatvereins Zenit Leningrad

Es ist gar nicht so selten, dass Kulturschaffende ihre Leidenschaft für den Fußball entdecken, aber bei Schostakowitsch nahm die Begeisterung geradezu manische Züge an. Er war bei fast allen Spielen seiner Lieblingsmannschaft anwesend, ein paar Mal konnte man ihn auch bei Gastspielen in Moskau oder Tbilissi sehen und er kannte jeden Spieler und Betreuer mit Namen.

Schostakowitsch besuchte aber nicht nur fast jedes Heimspiel von Zenit Leningrad, er war auch Absolvent einer Schiedsrichterschule und pfiff ab und zu unterklassige Begegnungen.

Er war bei der Mannschaft beliebt und hat das ganze Team des Öfteren zu sich nach Hause eingeladen. Feinsäuberlich führte er Buch über Ergebnisse, Punkte und Torverhältnisse – sogar über die Namen der Torschützen, die damals in den Zeitungen nicht erwähnt wurden (häufig auch auf den Rückseiten seiner Kompositionen).

Freunde machten sich bisweilen lustig über seine Leidenschaft für das Spiel mit dem Ball. Er entgegnete dann, er sein ein »футбольными гурманами«, was man mit Fußball-Feinschmecker übersetzen könnte. Schostakowitsch liebte das Spiel, weil es offen, ehrlich und ritterlich sei – Dinge, die nichts mit dem totalitären Stalin-Regime zu tun hatten, unter dem Schostakowitsch litt.

Auch in seinen Kompositionen versuchte Schostakowitsch immer wieder Musik und Fußball zusammenzubringen. Ende der 1920er Jahre erhielt er den Auftrag, die Musik zum Ballett »Золотой век« (Das goldene Zeitalter) zu schreiben. Die recht dürftige Handlung: die Abenteuer einer sowjetischen Fußballmannschaft im kapitalistischen Ausland.

Nach dem 2. Weltkrieg blieb Schostakowitsch ein großer Fußball-Fan, laut seiner Freunde wollte Schostakowitsch sogar eine Fußball-Hymne für seinen Lieblingsverein komponieren – dazu ist es allerdings nie gekommen.

Aber noch im Sommer 1974, er war bereits schwer erkrankt, regte sich Schostakowitsch darüber auf, das die sowjetische Nationalmannschaft nicht an der Fußball-WM in der Bundesrepublik teilnehmen konnte, weil der Verband es abgelehnt hatte, in der Qualifikation zur WM gegen Chile zu spielen.

Am 27. Juni 2014 wird Schostakowitschs Violoncello-Konzert Nr. 1 in der Komischen Oper Berlin gespielt.

Geschrieben von Komische Oper

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