Foto: Gunnar Geller

 

Es war höchste Zeit, nun ist es endlich soweit: Zum ersten Mal sind die Geschwister Pfister auf der Bühne eines Berliner Opernhauses zu sehen! Mit einem Stück, das die drei seit vielen Jahren auf der Liste ihrer Wunschstücke notiert haben: Nico Dostals Operette Clivia.

Hollywood, südamerikanische Leidenschaft und ein Schuss Berliner Schrulligkeit – das sind die Zutaten zu dieser verrückten Posse, die ihr heiter vergnügliches Spiel mit allerlei Klischees treibt, von der Filmdiva à la Greta Garbo bis zum Revolutionär aus Leidenschaft à la Che Guevara: Weil er seine wirtschaftlichen Interessen in Boliguay durch die dortige neue revolutionäre Regierung in Gefahr sieht, hat sich der amerikanische Industrielle und Filmproduzent E. W. Potterton kurzerhand entschlossen, seinen nächsten Film in Südamerika zu drehen. Von seinen wahren Absichten haben jedoch weder die Filmcrew noch der Star des neuen Streifens, Clivia Gray, die geringste Ahnung. Dumm nur, dass Potterton mit seinem Team keine Arbeitserlaubnis in Boliguay erhält. Eine Lösung ist schnell gefunden: eine Scheinehe zwischen Clivia Gray und dem boliguayanischen Gaucho Juan Damigo, die Miss Gray kurzerhand zur Staatsbürgerin Boliguays macht. Doch was als Scheinehe beginnt, lodert in kürzester Zeit im Feuer höchster Leidenschaft. Als Pottertons Putschversuch in Boliguay scheitert und sich herausstellt, dass Juan Damigo niemand anderes als der Revolutionsführer Juan Olivero höchstpersönlich ist, wird die junge, leidenschaftliche Liebe zwischen der mondänen Filmdiva und dem idealistischen Revolutionär noch einmal auf eine harte Probe gestellt …

Ein Stück wie gemacht für die beiden Pfisters und Fräulein Schneider, die alle drei eine große Liebe für das allzu oft belächelte Genre der Operette hegen, „das am meisten unterschätzte Genre überhaupt“ (Ursli Pfister). Ein glamouröser Hollywood-Star, ein feuriger südamerikanischer Revolutionär und dessen resolute Cousine, die „Amazone“ Jola – das sind Rollen, geradezu maßgeschneidert für Ursli, Toni und Fräulein Schneider. Deren Abenteuer in Südamerika bringt außerdem ein Wiedersehen mit alten Bekannten aus der Studienzeit in Bern: Max Gertsch ist als schmieriger Grenzstationsverwalter, Marcus Merz als schreiender Regisseur zu erleben, und kein Geringerer als Stefan Kurt mimt den verschlagenen Drahtzieher E. W. Potterton. Regie führt ein weiterer Weggefährte: der mit allen Operetten- und Musical-Wassern gewaschene Stefan Huber.

Mit viel Spaß und der nicht weniger notwendigen Ernsthaftigkeit hat sich die muntere Truppe also auf die Reise nach Boliguay gemacht. Auf die für die Operette der 1920er und 30er Jahre typische erfrischenden, unbefangenen Weise spielt Dostals Werk mit unterschiedlichen Stilen und Genres – vom Jazz über südamerikanische Rhythmen bis hin zum schmissigen Berliner Marschlied. Große Chornummern wie »Man spricht heut nur noch von Cliva«, schmachtende Liebesduette wie »Ich bin verliebt«, schwungvolle, von Jazzrhythmen beseelte Nummern wie »Sie sind mir so sympathisch« oder schmissig-humorvolle, von südamerikanischem Flair angehauchte Ensembles wie »Am Manzanares ist weibliche Treue was Rares« zeigen die ganze Bandbreite von Dostals musikalischem Können. Und ganz nebenbei wird auch noch die bisweilen skrupellose »Dollar-Diplomatie« der Vereinigten Staaten oder ihrer Vertreter aufs Korn genommen. Was hier Wahrheit ist und was Fiktion, was echt und was nur Filmkulisse, wer hier wirklich liebt und wer nur brillant schauspielert – das bleibt fortwährend in der für die Operette so typischen Schwebe. Ein schillerndes Spiel mit Klischees und Doppeldeutigkeiten, das wohl niemand so brillant beherrscht wie die Geschwister Pfister. Caramba!

Premiere am 8. März 2014 in der Komischen Oper Berlin

 

Geschrieben von Komische Oper

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