(Foto: Mat Hennek)

(Foto: Mat Hennek)

Mischa Maisky, verwegen, exzentrisch – und ein Cellist von Weltklasse. Maisky sieht ein wenig aus wie ein Bruder von Albert Einstein. Er wurde in Riga geboren, lernte bei Rostropowitsch und musste für 18 Monate ins Gefängnis, bevor er die damalige UdSSR verlassen konnte.

Kritiker sagen, Mischa Maisky spielt Bach wie einen Romantiker – emotional und frei. Der große Cellist Pablo Casals meinte einmal zu ihm: »Ja, junger Mann. Mmmh. Was du spielst, hat nichts mit Bach zu tun. Aber, du scheinst sehr überzeugt zu sein, also klingt es sehr überzeugend.« Das es als Kompliment gemeint war, hat der junge Mischa erst später begriffen.

Die Familie Maisky gehörte zur jüdischen Minderheit in der UdSSR und wurde vielfach diskriminiert oder benachteiligt. Im Alter von 18 Jahren holte ihn der große Rostropowitsch zu sich und wurde sein Lehrer. 1969 wanderte seine Schwester nach Israel aus. Mischa wollte ihr folgen, wurde jedoch beim Kauf eines Tonbandgeräts verhaftet. 1970 wurde Maisky zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt, vermutlich weil seine Schwester ausgewandert war.

»Ich war 18 Monate im Gefängnis, musste Zement schaufeln, und den Kommunismus aufbauen – ohne Erfolg, wie wir heute wissen.«

Nach dem Arbeitslager überwies ihn ein befreundeter Arzt in eine Nervenheilanstalt, um der sowjetischen Armee zu entkommen. Dank eines Freikaufs durch einen US-amerikanischen Gönner emigrierte er am 7. November 1972 nach Israel.

»Ich bin zunächst in Wien angekommen und feiere den Tag bis heute als meinen zweiten Geburtstag.«

Mehr als zwei Jahre lang hatte er da kein Cello mehr in der Hand gehalten. Und doch feierte er noch im gleichen Jahr sein umjubeltes Debüt in der Carnegie Hall!

Mischa Maisky hält nicht viel von historischer Aufführungspraxis. Er spielt wie er die Musik fühlt. Seit seiner Emigration immer auf demselben Instrument, einem Montagnana-Cello. Er zählt zu den »Romantikern« unter den Cellisten. Am liebsten spielt er für Menschen, die diese Musik zum ersten Mal hören.

»Zwei Dinge sollten per Gesetz verboten werden: Große Musik hässlich zu spielen oder langweilig.«

Mischa Maisky präsentiert im Sinfoniekonzert (27. Juni 2014) die ganze Bandbreite seines Instruments: von Max Bruchs besinnlicher Konzertfantasie Kol Nidrei bis hin zu Schostakowitschs hochvirtuosem ersten Cellokonzert. An seiner Seite: Generalmusikdirektor Henrik Nánási, der mit Bartóks Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta einmal mehr seine Qualitäten als versierter Bartók-Interpret unter Beweis stellt!

Ein wunderbares Interview mit Mischa Maisky gibt es hier:

Geschrieben von Komische Oper

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