»Die größte Droge für Violetta ist das Leben selbst.«

Nur im Rausch ist das Leben lebenswert! Nach dieser Maxime will Violetta, »la traviata«, ihre Existenz bis zum letzten auskosten, denn ihre Zeit ist knapp. Im Rausch des Augenblicks sucht sie ihre tödliche Krankheit zu vergessen. Von allen begehrt, aber letztlich einsam steht sie im Mittelpunkt der vornehmen Pariser Demimonde. Als ihr jedoch der junge Adlige Alfred glühend seine Liebe erklärt, ist Violetta berührt von seiner Utopie einer universalen Liebe. Gemeinsam mit Alfred scheint ein Neuanfang möglich …

Für Regisseur Hans Neuenfels steht Violettas tödliche Krankheit sinnbildlich für den grundsätzlich gefährdeten Zustand des Menschen gemäß der Einsicht, dass »das Leben von Natur aus lebensgefährlich ist«. Gerade das, was den Menschen ausmacht – dass er Bewusstsein, Gewissen, Skrupel oder Zweifel hat – erschwert ihm, selbstbestimmt in Freiheit zu leben und seine Träume zu realisieren. Denn diesem menschlichen Wunsch stehen permanente Abhängigkeiten entgegen, ob man sie nun Schicksal, Gott oder Gesellschaft nennt. Um dieses Leben aushalten zu können, sucht der Mensch nach einer Droge wie Ruhm, Reichtum, Nikotin oder Alkohol.

Den Perspektivwechsel des Komponisten ins Subjektive spitzt Neuenfels zu, indem er die Geschichte ganz aus Violettas innerem Erleben erzählt: Alle anderen Figuren und ihre Begegnungen erscheinen, wie sich die Protagonistin sie vorstellt und deren Zustand empfindet.

La Traviata ist für Neuenfels keine Schicksalstragödie, sondern erzählt parabelhaft vom radikalen Lebensentwurf einer Frau, die sich – im ständigen Wissen um die Gefährdungen des Lebens – in unterschiedlichsten Rollen und Situationen zu realisieren sucht. So stellt Verdi auf aktuelle Weise die Frage nach dem Lebenssinn, auf die wir in unserer diesseitigen Existenz nur mit der Liebe antworten können – einer »Liebe, die nichts kosten darf außer das Leben«!

Verdis Musik behauptet selbst im höchsten Schmerz ihre kraftvolle Schönheit und jene transzendierende Kraft, die hoffnungsvoll auf ein besseres, menschenwürdigeres Leben gerichtet ist.

Wiederaufnahme La Traviata in der gefeierten Inszenierung von Hans Neuenfels am 23. Mai 2014 in der Komischen Oper Berlin.

Geschrieben von Komische Oper

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