Kiss me, Kate (Foto: Monika Ritterhaus)

Kiss me, Kate (Foto: Monika Ritterhaus)

Cole Porters Hit-Musical Kiss me, Kate mit Dagmar Manzel in der Hauptrolle ab Januar zum letzten Mal an der Komischen Oper Berlin

WIEDERAUFNAHME: Do, 7. Januar, 19:30 Uhr

Wer kennt das nicht: Man ist bei einem befreundeten Paar eingeladen, das gerade eine größere Beziehungskrise durchlebt, und der gemeinsame Abend wird zum wahren Horrortrip, weil sich die beiden coram publicum streiten, anschreien und verbal zerfetzen?! In der Öffentlichkeit ausgetragene Beziehungskriege sind für alle unfreiwilligen Zeugen zumeist überaus peinlich. Den beiden Streithähnen wird es im Nachhinein sicherlich nicht anders ergehen. Im Augenblick des eskalierenden Streits jedoch können die irritierten oder peinlich berührten Gäste durchaus als willkommenes Publikum für die verbale Schlacht dienen.

Dass derart öffentlich ausgetragene Rosenkriege auch zu theatralischen Höchstleistungen führen können, dafür ist Cole Porters berühmtes Musical Kiss me, Kate ein mehr als überzeugender Beweis. Und das nicht nur im Hinblick auf die ebenso amüsante wie turbulente Handlung, in deren Verlauf der Rosenkrieg des geschiedenen Schauspieler-Ehepaars Fred Graham und Lilli Vanessi zu einem großen Teil auf der Bühne vor einem (obendrein zahlenden!) Publikum ausgetragen wird. Das »Stück im Stück«, das von Grahams Theatertruppe aufgeführt wird, bietet dabei eine wunderbare Vorlage für die bisweilen auch handgreiflich werdenden Streitereien der beiden Kampfhähne: William Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung!

Kiss me, Kate (Foto: Monika Ritterhaus)

Kiss me, Kate (Foto: Monika Ritterhaus)

Die Idee zu Porters 1948 uraufgeführtem Musical Kiss me, Kate soll angeblich von dessen Produzenten Arnold Saint-Subber stammen, der viele Jahre zuvor noch als einfacher Bühnenarbeiter bei einer Produktion von eben Der Widerspenstigen Zähmung hinter den Kulissen Zeuge des Beziehungskriegs der beiden auch im realen Leben verheirateten Hauptdarsteller wurde. Das Autorenteam von Kiss me, Kate hatte indes genügend eigene Inspirationen für den sowohl auf der Bühne als auch in der Garderobe ausgetragenen Konflikt der Handlung: Das Ehepaar Samuel und Bella Spiewack befanden sich zu dem Zeitpunkt, als sie an Plot und Dialogen des Musicals arbeiteten, in einer tiefen Ehekrise. Die gemeinsame Arbeit führte bei den beiden jedoch zu einer Aussöhnung. Da wundert es nicht, dass es auch in Kiss me, Kate ein Happy end gibt: Lilli, die in der Pause des »Stücks im Stück« das Theater verlassen hatte, kehrt rechtzeitig zur Schlussnummer zurück, weil sie ihren Fred natürlich immer noch und trotz allem liebt! Coram publicam fallen sich die beiden in die Arme.

Das erinnert ein wenig an ein anderes sich vor den Augen und Ohren der Boulevardpresse fortwährend zankendes Liebespaar, das 1967 zudem in Franco Zefirellis Verfilmung von Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung als streitendes Ehepaar vor der Kamera stand: Richard Burton und Elizabeth Taylor. Ein Jahr zuvor hatten beide in der Verfilmung von Edward Albees Wer hat Angst vor Virginia Woolf? als sich gegenseitig zerfleischendes Ehepaar ihre vielleicht beste schauspielerische Leistung präsentiert, die im Falle der Taylor (zum Unmut des eifersüchtigen Burton) auch mit einem Oscar belohnt wurde. Im Juni 1974 ließen sich Burton und Taylor nach zehn in vielerlei Hinsicht bewegten Ehejahren scheiden, um nach nur vier Monaten erneut vor den Traualtar zu treten – und sich nach weiteren neun Monaten wieder scheiden zu lassen.

Was die einen also als eine einzigartige Peinlichkeit empfinden, verhilft den anderen zu einzigartigen Erfolgen – oder zumindest zu einer temporären Aussöhnung. Falls Ihre Beziehung derzeit in einer Krise stecken sollte, wie wäre es zur Abwechslung mit einem Abend in der Komischen Oper Berlin, wo sie erleben können, wie Fred Graham seine Lilli auf offener Bühne kurzerhand übers Knie legt?! Die Produktion, die Regisseur und Intendant Barrie Kosky selbst als »eine Mischung aus venezianischem Karneval, LSD-San-Francisco-Drag-Happening, Wer hat Angst vor Virginia Woolf? und der Muppets-Show« bezeichnet hat, gehört zu den größten Erfolgen der letzten Jahre und sorgt immer wieder für ein ausverkauftes Haus.

Sollten also die schlimmsten Worte bereits gefallen und die letzte Vase zerschmissen sein – nichts wie hin in die Komische Oper Berlin! Natürlich sind auch Paare ohne Beziehungsstress ebenso wie Singles herzlich willkommen, wenn Lilli alias Dagmar Manzel den Abend mit dem berühmten Opening »Der erste Abend der neuen Show …« eröffnet.

Geschrieben von Komische Oper

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