Sechs Jahre kämpfte Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais mit der königlichen Zensur in Paris um seine Komödie La folle journée ou le Mariage de Figaro. Und wenn mit der Pariser Uraufführung vom 27. April 1784 auch nicht die Französische Revolution ausgelöst wurde, wie später gern behauptet, war sie zumindest ein unvergleichlicher Erfolg, der den Autor unsterblich werden ließ. Der Erfolg von Beaumarchais’ Komödie beschränkte sich nicht nur auf Paris, sondern griff rasch auch auf andere Städte Europas über. Die Wiener Erstaufführung sollte in Emanuel Schikaneders Kärntnertortheater stattfinden. Doch Kaiser Joseph II. ließ die Zensur eingreifen und die Aufführung verbieten – das Stück enthalte zu viel Anstößiges. Dank der zum Teil paradoxen Zensurbestimmungen der kaiserlichen Behörden durfte der Text jedoch veröffentlicht werden.

Einen dieser Drucke las Mozart und fasste den Plan, das Schauspiel zur Grundlage einer Oper zu machen. Außerdem erklärte sich sein kongenialer Librettist Lorenzo Da Ponte zur Zusammenarbeit bereit. Es sollte eine italienische Opera buffa werden, Le Nozze di Figaro, ein spannendes Musikdrama ohne politischen Anspruch, in dem der Revolution des Volkes gegen den Adel höchstens in zarten Anspielungen Raum gegeben werden sollte. Schließlich wollte man ein behördliches Verbot der Oper vermeiden. Da Ponte übernahm auch die Aufgabe, den Kaiser auf die neue Oper neugierig zu machen und ihr so von Vornherein dessen Wohlwollen zu sichern.

Wenngleich dem Libretto die Schärfe fehlen mag, bleibt das eigentliche Thema dennoch bestehen: Ein Diener nimmt den Kampf gegen seinen Herrn auf. Da Ponte bleibt recht nah an der Vorlage Beaumarchais, legt ihren Schwerpunkt aber mehr auf das »Welttheater der Liebe« (Walter Felsenstein). Da Ponte intensiviert und betont die zwischenmenschlichen Momente, die Missverständnisse, das Versteckspielen, die geistige und nun auch musikalische Konfusion – die erste Screwball-Komödie war geboren.

Da Ponte verstand es nicht nur, die Komödie zu einem brillanten Libretto umzuarbeiten, sondern verfügte auch über das nötige diplomatische Geschick, um das verbotene Stück als Vorlage für eine Oper beim Kaiser durchzusetzen. Mit der Versicherung, er habe »alles weggelassen, was gegen den Anstand und die Sitte verstößt und ungehörig sein könnte«, und dem Versprechen, die Musik sei außerordentlich schön, zerschlug Da Ponte nicht nur Kaiser Josephs Bedenken gegen die Vorlage, sondern auch gegen den Komponisten Mozart.

Und so erlebte Le nozze di Figaro ossia La folle giornata mit der Zustimmung des Kaisers am 1. Mai 1786 im Wiener Hoftheater seine Uraufführung. Die Aufführung war jedoch nicht sonderlich erfolgreich. Das Orchester soll mit der komplizierten Musik Mozarts nicht zurecht gekommen sein und das Wiener Publikum war auch nicht restlos begeistert. Wesentlich mehr Erfolg hatte die Oper in Prag. Mozart befand sich nach dem mäßigen Erfolg der ersten Aufführungen in Wien wieder in Geldnöten und hatte noch immer keine fixe Anstellung in Aussicht. Da ereilt ihn eine Einladung nach Prag, er solle dort Die Hochzeit des Figaro persönlich dirigieren. So reist Mozart in die Hauptstadt Böhmens, wo er einen unerhörten Triumph mit seiner Oper hatte. Das Prager Publikum war begeistert und feierte Mozart drei Wochen lang.

Inzwischen gehört Die Hochzeit des Figaro zu den meistgespielten und beliebtesten Opern überhaupt. Wiederaufnahme am 14. Mai 2014 in der Komischen Oper Berlin.

Ingo Gerlach/Theater Ulm/mozart.com

Geschrieben von Komische Oper

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