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Die drei Kandidaten von Interrobang beim Wahlkampf

Nachdem nun drei Tage lang die Renaissance der Operette fachmännisch in Expertenvorträgen und Podiumsdiskussionen erörtert worden ist, hat die Performancegruppe Interrobang am letzten Tag des Symposiums mit der Operettokratie konkrete politische Richtlinien zur Zukunftssicherung des Genres vorgestellt. Zum großen Amusement und unter Einbeziehung der Symposiumsteilnehmer traten auf der Probebühne II der Komischen Oper Berlin drei Kandidaten im fiktiv-humoristischen Wahlkapf gegeneinander an. Musikalisch unterstützt wurden sie dabei von Tenor Johannes Dunz (Opernstudio der Komischen Oper Berlin) und Solorepetitor Peter Meiser am Klavier. Kandidatin »Gelb« will mit der Verblendung und Realitätsferne der traditionellen Operette gründlich aufräumen. Denn wer Entspannung brauche, solle gefälligst zur Thai-Massage gehen. Stattdessen verlangt sie nach der gesellschaftskritischen »posttrivialen Operette« als »musiktheatralische Enthüllungsplattform á la WikiLeaks«. Konkurrentin »Blau« hingegen erhoffe sich als Kind der 70er Jahre von der »proemotionalen Operettung«, also der Anwendung der Operetteninhalte auf das Alltagsleben, einen Ausweg aus ihrer Orientierungslosigkeit. Opposition »Rot« hingegen will die Operette mit der »Operettophilie« wieder zur Leitkunst der Gesellschaft erheben. Die Welt müsse sich ändern, die Operette als utopische Realitätsflucht hingegen dürfe bleiben.

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Kandidat »Rot« stellt die neue Operettenregierung vor.

Während die drei KonkurrentInnen im Wahlkampf ihre politischen Lösungsvorschläge in den Punkten Arbeitsbedingungen, Finanzierung, Werktreue, Inhalte, Publikum, Virtuosität und Erholung gegenüberstellten, durfte das Publikum zu jeder Kategorie abstimmen. Um die Gelder zu sichern, schlägt beispielsweise Kandidat »Rot« die freiwillige Beteiligung der BürgerInnen durch die Einführung des Aufrundungs-Cents zu Gunsten der Operettenfinanzierung vor. Um den Arbeitsalltag im Theaterbetrieb lebendig zu halten und jedem Mitarbeiter die Beteiligung an der kreativen Operettenarbeit zu ermöglichen, befürwortet »Gelb« den »Anti-Dienst-nach-Vorschrift-Tag«, an dem die Mitarbeiter rotationsmäßig durch die Abteilungen wandern. Eine Regisseurin könne so das Pförtnerhäuschen zum »Performance Space« umfunktionieren und der Maskenbildner endlich sein sängerisches Können auf der Bühne beweisen. Für größtmögliche Erholung hat Kandidatin »Blau« die »Operettenpille« entwickelt, bei deren Einwurf man sich mit allen Sinnen in der heilen Operettenwelt verlieren kann.

Nach Abstimmung des Operettenvolkes ginen die »Operettophilie« und die »posttriviale Operette« eine Koalition ein und bildeten eine Regierung der »selbstreferenziellen Volklorette«.

Geschrieben von Komische Oper

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